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Informationsbrief Nr. 1/2004Herausgeber: Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V.Verantwortlich: Dr. H. Dillenburg, Dipl.-Ing. M. HuterPostfach 101123, 47476 Rheinberg Bank: Volksbank Niederrhein e. G. - BLZ.: 35461106 - Konto Nr.: 201884012 |
1. Besuch bei
Thyssen-Krupp
Am 10.12.03 besucht der VbCc den Stahlstandort Thyssen-Krupp in
Duisburg. Zur Stahlerzeugung wird bekanntlich das Chlorchemieprodukt
Soda verwendet, bei Thyssen-Krupp allerdings heute nicht mehr. Die
Besucher haben den Weg vom Eisenerz bis zum Stahl und zum veredelten
Endprodukt erfahren können. Sehr informativ waren dabei die
zahlreichen Kennzahlen zum Einsatz von Rohstoffen aus aller Welt, zu
Produktdurchsatz und Produktqualität sowie zur Höhe für
Umwelt- und Forschungsaufwand. Es ist deutlich bewusst geworden, dass
heutige Hochofen-, Gieß- und Walztechniken moderne Prozesse sind,
die vielerlei Anforderungen sowohl an hochwertige Endprodukte als auch
an Umweltschutz und Arbeitssicherheit gerecht werden. Interessant war es
zu erkennen, dass der heutige Standort eher ein integrierter
Industriepark ist, der neben den eigentlichen Kernprozessen sehr
unterschiedliche Aktivitäten – wie Stromerzeugung,
Düngemittelproduktion oder Logistik und Reparaturbetriebe – unter
einem Dach vereinigt. Unübersehbar ist schließlich das Wirken
eines Designers zur freundlichen Gestaltung verschiedener Anlagenteile.
Es war für alle Besucher ein informativer Nachmittag. Der VbCc
wird diese Besuchsreihe fortsetzen.
22 VbCc-Mitglieder informierten sich über die Stahlerzeugung bei Thyssen-Krupp in Duisburg.
2. Besichtigung
Die nächste Informationsfahrt geht zur Papierfabrik Norske
Skog in Duisburg (vielen von Ihnen ist sicherlich noch der frühere
Name Heindl geläufiger). Papierfabriken setzen um Bleichen
Chemikalien ein, häufig auch Produkte aus dem Bereich der
Chlorchemie.
Termin: Donnerstag, 25.
März 2004
Anmeldung nur schriftlich mit beiliegendem Vordruck. Die Teilnehmerzahl
ist auf 20 begrenzt.
3. EU: Kein
Fortschritt bei der PVC-Diskussion
Die PVC-Diskussion auf EU-Ebene dauert bereits eine geraume Zeit
und hat eine ganze Reihe von Etappen hinter sich gebracht:
Horizontalstudien, Grünbuch, öffentliche Aufklärung,
Diskussion in Parlament und Ausschüssen usw.
Leider warten wir noch immer auf den Abschluss. Dieser könnte in
Form einer „Mitteilung“ veröffentlicht werden. Da in 2004 das
EU-Parlament neu gewählt wird, besteht die Gefahr, dass die
PVC-Diskussion nach der Wahl neu gestartet wird. Der VbCc hat sich
deshalb an wichtige EU-Politiker gewandt mit der Bitte, sich jetzt
für den Abschluss der PVC-Diskussion einzusetzen. Der VbCc schreibt
in seinen Briefen an MdEP Florenz (CDU), MdEP Dr. Hänsch (SPD) und
MdB Flach (FDP): „Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die schon
lange angekündigte „Communication“ mit positivem Ergebnis
veröffentlicht wird. Eine weitere Verzögerung mit der
Aussicht auf neuerliche Diskussion mit neu gewählten
Parlamentariern wird zur Sache selbst nichts mehr beitragen. Aber: Die
Verunsicherung bei den Betrieben – also Unternehmen und Mitarbeitern –
wird zunehmen mit möglicherweise sehr negativen Folgen für die
Beschäftigten.“
4. Chlorchemie
ist überall: Solarkraftwerke
Die Politik setzt verstärkt auf die Erzeugung von elektrischer
Energie durch die Sonne. Solche Solarzellen bestehen aus Silizium, das
aus Quarzsand (SiO2) hergestellt wird. Üblicherweise erfolgt die
Produktion des Reinst-Silizium über die Zwischenstufe
Siliziumtetrachlorid SiCl4. Der Chloranteil ist als Chlorwasserstoff ein
Abfallprodukt in der Siliziumfertigung. Im Rahmen der Chlorchemie
versucht man, Abfallströme dieser Art zu vermeiden. Unter anderem
kann man diesen Chlorwasserstoff zur PVC-Herstellung verwenden.
Eine Abschätzung auf der Basis veröffentlichter
Literaturdaten ergibt: Um ein klassisches Kraftwerk mit 1000 MW
elektrischer Leistung (8000 GWh Strom pro Jahr) zu ersetzen,
bräuchte man ca. 1 600km2 Solarfläche, also ca. 40 km x 40km.
Die Chemieindustrie müsste dazu ca. 6 000t Silizium bereitstellen.
Wenn man das dabei nicht genutzte Element Chlor zu PVC umwandeln
würde, müssten parallel zum Silizium 50 000 t PVC hergestellt
werden.
5. Müll
sortieren sinnvoll?
Das moderne Sortieren von Haushaltsabfällen (Normalmüll,
Biomüll, Kunststoff, Papier, Buntglas, Weißglas ...) ist nach
Meinung vieler Experten weit weniger sinnvoll – zumindest in der
exzessiven Weise, wie es manche Umweltfreunde heutzutage praktizieren –,
als die meisten Müllsortierer glauben. Es kostet oft mehr Geld,
als es einbringt, spart – falls überhaupt – Ressourcen an der
falschen Stelle, beruhigt aber trotzdem unser Umweltgewissen und hat so
direkt und indirekt, wie ein amerikanischer Umweltschützer einmal
formulierte, „der Umweltbewegung mehr geschadet als alles andere, an was
ich denken kann“. Was moderne Umweltfreunde oft vergessen: Das
Wiederverwerten von Abfällen ist keine Tugend an sich. Es ist ein
Mittel, die begrenzten Ressourcen unseres Planeten besser zu verwalten,
und wenn die Hausmülltrennung dazu beiträgt, sollten wir den
Hausmüll trennen. Wenn nicht, dann nicht. Denn wenn statt einem
Müll-Lastwagen auf einmal vier oder fünf den Verkehr aufhalten
und mit ihren Abgasen die Luft verpesten, dann ist das ebenfalls ein
Umweltschaden, der gegen den gesparten Deponieraum aufgerechnet werden
muss, genauso wie die Extragelder für die Müllabfuhr, mit
denen man vielleicht besser eine Kläranlage oder einen
Kraftwerkfilter hätte bauen können (um nur einige der
indirekten Kosten der Hausmülltrennung aufzulisten). Aber von
einer solchen Umwelt-Gesamtrechnung sind wir noch weit entfernt (Aus:
Krämer, Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer).
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Sie sind auf dem zweiten Niveau der VbCc Seiten.
Hergesteld: 10. April 2004.

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