Informationsbrief Nr. 1/2004

Herausgeber: Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V.

Verantwortlich: Dr. H. Dillenburg, Dipl.-Ing. M. Huter

Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V. (VbCc. e.V.)
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Rheinberg, den 26. Jan. 2004

Der Vorstand wünscht jedem Mitglied persönliches Wohlergehen im Jahre 2004. Uns allen wünschen wir einen Fortschritt in der Diskussion um Chemie und Chlorchemie. Lassen Sie uns alle weiter daran arbeiten, die Öffentlichkeit vom Nutzen und den ökologischen Vorteilen der Chlorchemie zu überzeugen.

1.    Besuch bei Thyssen-KruppThyssen-Krupp
Am 10.12.03 besucht der VbCc den Stahlstandort Thyssen-Krupp in Duisburg. Zur Stahlerzeugung wird bekanntlich das Chlorchemieprodukt Soda verwendet, bei Thyssen-Krupp allerdings heute nicht mehr. Die Besucher haben den Weg vom Eisenerz bis zum Stahl und zum veredelten Endprodukt erfahren können. Sehr informativ waren dabei die zahlreichen Kennzahlen zum Einsatz von Rohstoffen aus aller Welt, zu Produktdurchsatz und Produktqualität sowie zur Höhe für Umwelt- und Forschungsaufwand. Es ist deutlich bewusst geworden, dass heutige Hochofen-, Gieß- und Walztechniken moderne Prozesse sind, die vielerlei Anforderungen sowohl an hochwertige Endprodukte als auch an Umweltschutz und Arbeitssicherheit gerecht werden. Interessant war es zu erkennen, dass der heutige Standort eher ein integrierter Industriepark ist, der neben den eigentlichen Kernprozessen sehr unterschiedliche Aktivitäten – wie Stromerzeugung, Düngemittelproduktion oder Logistik und Reparaturbetriebe – unter einem Dach vereinigt. Unübersehbar ist schließlich das Wirken eines Designers zur freundlichen Gestaltung verschiedener Anlagenteile.
Es war für alle Besucher ein informativer Nachmittag. Der VbCc wird diese Besuchsreihe fortsetzen. 

22 VbCc-Mitglieder informierten sich über die Stahlerzeugung bei Thyssen-Krupp in Duisburg.

2.    Besichtigung
Die nächste Informationsfahrt geht zur Papierfabrik Norske Skog in Duisburg (vielen von Ihnen ist sicherlich noch der frühere Name Heindl geläufiger). Papierfabriken setzen um Bleichen Chemikalien ein, häufig auch Produkte aus dem Bereich der Chlorchemie.
Termin:    Donnerstag, 25. März 2004
Anmeldung nur schriftlich mit beiliegendem Vordruck. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt.

3.    EU: Kein Fortschritt bei der PVC-Diskussion
Die PVC-Diskussion auf EU-Ebene dauert bereits eine geraume Zeit und hat eine ganze Reihe von Etappen hinter sich gebracht: Horizontalstudien, Grünbuch, öffentliche Aufklärung, Diskussion in Parlament und Ausschüssen usw.
Leider warten wir noch immer auf den Abschluss. Dieser könnte in Form einer „Mitteilung“ veröffentlicht werden. Da in 2004 das EU-Parlament neu gewählt wird, besteht die Gefahr, dass die PVC-Diskussion nach der Wahl neu gestartet wird. Der VbCc hat sich deshalb an wichtige EU-Politiker gewandt mit der Bitte, sich jetzt für den Abschluss der PVC-Diskussion einzusetzen. Der VbCc schreibt in seinen Briefen an MdEP Florenz (CDU), MdEP Dr. Hänsch (SPD) und MdB Flach (FDP): „Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die schon lange angekündigte „Communication“ mit positivem Ergebnis veröffentlicht wird. Eine weitere Verzögerung mit der Aussicht auf neuerliche Diskussion mit neu gewählten Parlamentariern wird zur Sache selbst nichts mehr beitragen. Aber: Die Verunsicherung bei den Betrieben – also Unternehmen und Mitarbeitern – wird zunehmen mit möglicherweise sehr negativen Folgen für die Beschäftigten.“

4.    Chlorchemie ist überall: Solarkraftwerke
Die Politik setzt verstärkt auf die Erzeugung von elektrischer Energie durch die Sonne. Solche Solarzellen bestehen aus Silizium, das aus Quarzsand (SiO2) hergestellt wird. Üblicherweise erfolgt die Produktion des Reinst-Silizium über die Zwischenstufe Siliziumtetrachlorid SiCl4. Der Chloranteil ist als Chlorwasserstoff ein Abfallprodukt in der Siliziumfertigung. Im Rahmen der Chlorchemie versucht man, Abfallströme dieser Art zu vermeiden. Unter anderem kann man diesen Chlorwasserstoff zur PVC-Herstellung verwenden.
Eine Abschätzung auf der Basis veröffentlichter Literaturdaten ergibt: Um ein klassisches Kraftwerk mit 1000 MW elektrischer Leistung (8000 GWh Strom pro Jahr) zu ersetzen, bräuchte man ca. 1 600km2 Solarfläche, also ca. 40 km x 40km. Die Chemieindustrie müsste dazu ca. 6 000t Silizium bereitstellen. Wenn man das dabei nicht genutzte Element Chlor zu PVC umwandeln würde, müssten parallel zum Silizium 50 000 t PVC hergestellt werden.

5.    Müll sortieren sinnvoll?
Das moderne Sortieren von Haushaltsabfällen (Normalmüll, Biomüll, Kunststoff, Papier, Buntglas, Weißglas ...) ist nach Meinung vieler Experten weit weniger sinnvoll – zumindest in der exzessiven Weise, wie es manche Umweltfreunde heutzutage praktizieren –, als die meisten Müllsortierer glauben. Es kostet oft mehr Geld, als es einbringt, spart – falls überhaupt – Ressourcen an der falschen Stelle, beruhigt aber trotzdem unser Umweltgewissen und hat so direkt und indirekt, wie ein amerikanischer Umweltschützer einmal formulierte, „der Umweltbewegung mehr geschadet als alles andere, an was ich denken kann“. Was moderne Umweltfreunde oft vergessen: Das Wiederverwerten von Abfällen ist keine Tugend an sich. Es ist ein Mittel, die begrenzten Ressourcen unseres Planeten besser zu verwalten, und wenn die Hausmülltrennung dazu beiträgt, sollten wir den Hausmüll trennen. Wenn nicht, dann nicht. Denn wenn statt einem Müll-Lastwagen auf einmal vier oder fünf den Verkehr aufhalten und mit ihren Abgasen die Luft verpesten, dann ist das ebenfalls ein Umweltschaden, der gegen den gesparten Deponieraum aufgerechnet werden muss, genauso wie die Extragelder für die Müllabfuhr, mit denen man vielleicht besser eine Kläranlage oder einen Kraftwerkfilter hätte bauen können (um nur einige der indirekten Kosten der Hausmülltrennung aufzulisten). Aber von einer solchen Umwelt-Gesamtrechnung sind wir noch weit entfernt (Aus: Krämer, Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer).

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Hergesteld: 10. April 2004.

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