Informationsbrief Nr. 6/2002

Herausgeber: Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V.

Verantwortlich: Dr. H. Dillenburg, Dipl.-Ing. M. Huter

Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V. (VbCc. e.V.)
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Rheinberg, den 2.Dezember 2002
1. Der VbCc-Ratschlag für Weihnachten
Falls unsere VbCc-Mitglieder an Weihnachten einen Kunststoffbaum aufstellen wollen, weisen wir hin auf einen früheren Test der finnischen Zeitung „Iltalehti“. Dort waren alle PVC-Bäume als brandsicher bezeichnet worden, weil nach dem Entzünden und Entfernen der Brandquelle das Feuer selbst verlischt. Bäume aus anderen Kunststoffen – wie sie in einem weit bekannten schwedischen Möbelhaus angeboten werden – brannten wie Zunder und sind folglich nicht empfehlenswert.
Der VbCc: Achten Sie auf die Auszeichnung "PVC".

2. Politik und Chemie
Der Druck aus dem politischen Raum auf die Chlorchemie lässt nicht nach. Chemie und deren Produkte sind heute allgegenwärtig: als Medikament, als Kunststoff, im Verkehr, im Baubereich. Die Chemiebranche inkl. Kunststoffe nimmt umsatzmässig in Deutschland die erste Stelle unter allen Industriebranchen ein. Insofern haben Politik und Behörden sicherlich die Verpflichtung, mögliche negative Einflüsse eines so großen Teils unseres Wirtschaftslebens kritisch zu beobachten und zu bewerten.
Andererseits sollten vorhergesehene Maßnahmen mit besonderer Sorgfalt durchdacht werden, weil mögliche Fehlentscheidungen dann besonders große Folgeschäden nach sich ziehen würden. Die Chlorchemie ist gegenwärtig u. a. von folgenden Diskussionen betroffen, die meist aus der EU kommen:
· PVC: Die EU-Kommission arbeitet immer noch an einer sogenannten "Mitteilung". Es ist durchaus denkbar, dass damit die PVC-Diskussion noch nicht beendet wird, sondern sogar ein "PVC-Gesetz" drohen könnte.
· Weißbuch Chemie: Die EU fordert ein umfangreiches Prüfsystem für Chemikalien, auch für Zwischenprodukte und sogar auch für Polymere (Kunststoffe).
· Ökosteuer: Die deutsche Bundesregierung hat im Rahmen der zum 1.1.03 angekündigten Erhöhung die bisher gültigen Ausnahmen für die Chemische Industrie drastisch reduziert.
Der VbCc wird jede Chance nutzen, von den Politikern und Behördern zu fordern, vor der Verabschiedung von Maßnahmen zunächst den Beweis anzutreten, dass die angedachten Maßnahmen wirklich der Umwelt und den Menschen helfen. Alle VbCc-Mitglieder werden gebeten, sich bei Gesprächen mit ihren Abgeordneten (Land, Bund, EU) auch für die sinnvollen Anliegen der Chlorchemie einzusetzen.

3. Was hat Greenpeace mit wahrem Umweltschutz zu tun? Wenig!
Der Franzose Philippe Lequenne war von 1981 bis 1991 Direktor von Greenpeace in Frankreich (anschließend war er bis 1996 bei der Organisation Friends of the Earth). Heute ist er Professor an der Landwirtschafts-Hochschule Angers (Frankreich). Er hat 2001 ein Buch herausgebracht "Hinter den Kulissen von Greenpeace", wo er mit den "Methoden" von Greenpeace abrechnet. Als Kenner von Greenpeace erzählt er interessante Details. So sagt er deutlich, dass die "Mitglieder" von Greenpeace keinen Einfluss auf die Arbeit haben. In Deutschland beispielsweise würden 30 Greenpeace-Administratoren über die Geldspenden von 700 000 Mitgliedern entscheiden – das sind 0,004 %. Greenpeace würde stets Probleme nur dramatisieren und nichts zur Problemlösung beitragen. Meistens würden die Umweltprobleme durch Greenpeace nur verlagert bzw. sogar durch diese Verlagerung noch verschärft. Greenpeace – so Professor Lequenne – verdient kein Vertrauen.
Wann ist unsere Gesellschaft endlich bereit, aus solchen Informationen – die nicht neu sind – Konsequenzen zu ziehen?

4. Kunststoffe: Highlights – unbekannt?
Professor Helmut Käufer, ehemals Polymertechnik/Kunststofftechnikum der Technischen Universität Berlin, hat sich der Mühe unterzogen, bildlich darzustellen, wo Kunststoffe speziellen Markterfordernissen gerecht werden. Entstanden ist ein 120 Seiten starkes Buch mit acht Kapiteln unter den Titeln: "leicht, elastisch, isolieren, gleiten, optisch, Formgedächtnis, Energie, wiederverwerten". Erneut wird deutlich, wie wichtig der Werkstoff PVC ist: für steife Platten im Hausbau, für flexible Schlauchkonstruktionen als Bohrinselträger oder für elektrisch sichere Kabel.
Das mit Hilfe der Initiative PVCplus entstandene Buch ist beziehbar über: Technische Universität Berlin, Bookshop, Franklinstraße 15, 10587 Berlin.

5. Die Grenzen des Recyclings
Vor Jahren wurde im Verpackungssektor der Entsorgungsnotstand ausgerufen. Wer erinnert sich heute noch daran? Das DSD und der Grüne Punkt wurden geboren. Bei Kunststoffverpackungen beschritt man zunächst den Weg des Recyclings von Mischkunststoffen. Parkbänke und ähnliche grobschlächtige Produkte wurden hergestellt. Sehr schnell erkannte man die Grenzen eines solchen niedrigwertigen Recyclings. In der Zwischenzeit sind hochtechnisierte Verfahren zum werkstofflichen, rohstofflichen und energetischen Verwerten entwickelt worden.
Solche, modernen Ansprüchen gerecht werdende Recyclinganlagen – nicht nur für Kunststoffe, sondern auch für Glas, Metall, Aluminium usw. – benötigen große Mengen Durchsatz, d. h. haben ein großes Einzugsgebiet. Das hat dazu geführt, dass heute jeder 10. LKW auf unseren Straßen bereits mit Müll aller Art unterwegs ist, so die EU-Kommissarin Margot Wallström.
Durch die heute diskutierten Gesetze zur Altauto-, Elektro- und Bauschuttentsorgung wird die Zahl der Müll-LKW noch weiter ansteigen. Die Grenze des Recyclings liegt also nicht nur bei der eventuell begrenzten Aufnahmefähigkeit des Marktes für Altprodukte, sondern auch beim gegebenenfalls ins Maßlose steigenden Mülltourismus.

6. PVC – wichtigster Kunststoff in der Medizin
Weltweit gehen nur 2 % des Kunststoffverbrauchs in die Medizintechnik. Dafür sind aber die technischen Anforderungen in diesem Bereich besonders hoch, so dass in erster Linie nur ausgewählte Kunststofftypen in Frage kommen. Der wichtigste Kunststoff in der Medizin ist PVC mit 27 %, gefolgt von PE mit 24 % und PP mit 16 % Anteil (Information des Hauses Ticona GmbH).
PVC wird in der Medizintechnik für Blutbeutel genutzt, findet sich im Infusionszubehör und auch in Sekretflaschen und Zubehör. In diesen Mengen sind noch nicht enthalten die PVC-Bauproduke, die in Krankenhäusern z. B. verwendet werden: Trink- und Abwasserrohre, Kabel und nicht zu vergessen die Bodenbeläge. PVC-Bodenbeläge lassen sich im OP-Bereich so verlegen, dass sie pflegeleicht und hygienisch sind.
 

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Hergesteld: 22. Dezember 2002.
Lätzte Änderung: 1 Februar 2003.

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