Informationsbrief Nr. 4/2002

Herausgeber: Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V.

Verantwortlich: Dr. H. Dillenburg, Dipl.-Ing. M. Huter

Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V. (VbCc. e.V.)
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Rheinberg, den 12. August 2002


 1. Besuchsfart
Als zweite Informationsfahrt in diesem Jahr wollen wir am

Dienstag, 3. September 2002

die Kläranlage Bottrop der Emscher Genossenschaft Lippe Verband besuchen. Zur Reinigung von Abwässern werden u. a. Metallchloride benutzt. Einzelheiten entnehmen Sie bitte der beiliegenden Anmeldung. Wie immer ist die Teilnehmerzahl begrenzt auf 20 Personen.

2. Politiker pro PVC
Vor geraumer Zeit hatte der VbCc Politiker der wichtigen Parteien (in alphabetischer Reihenfolge) CDU, FDP und SPD eingeladen, zu Umweltfragen und zum Thema PVC zu sprechen. Das Ergebnis war für die Beschäftigten der PVC-Branche erfreulich. Alle sprachen sich aus für eine Fortentwicklung der PVC-Industrie. Aktuell gibt es neue Stellungnahmen:

• Dr. Jürgen Rüttgers, CDU (MdL NRW):
„... Ich unterstütze die Zielsetzung und den Weg der PVC-Unternehmen nachdrücklich. ...“
• Wolfgang Clement, SPD (Ministerpräsident NRW):
„... Es wird darauf zu achten sein, dass die EU-Kommission bei ihren Schlußfolgerungen aus der Grünbuchdebatte die zu treffenden Schlüsse zieht und erkennt, dass eine Verschärfung des ordnungsrechtlichen Instrumentariums hier nicht der Königsweg, sondern der Holzweg wäre. ...“
3. Freiwillige Selbstverpflichtung der PVC-Industrie
Als Antwort auf die europäische PVC-Diskussion („Grünbuch PVC“) ist die PVC-Branche eine Freiwillige Selbstverpflichtung eingegangen. Wesentlicher Inhalt ist die Steigerung der Verwertung von PVC-Abfallprodukten um 200 000 Tonnen bis zum Jahre 2010.
Die EU-Politiker und –Behörden sind sich bisher uneinig, ob sie sich mit diesem Angebot der PVC-Branche zufriedengeben können, oder ob sie doch noch ein (Anti-)PVC-Gesetz erlassen sollten. Ein Kompromiss scheint jetzt in Sicht. Am 17.7.02 veröffentlichte die EU-Kommission eine „Mitteilung“ zum Thema „Umweltvereinbarungen“.
Die EU-Kommission schlägt damit Rahmenbedingungen vor, die allgemein angewendet werden sollen bei freiwilligen Maßnahmen der Industrie. Die Industrie begrüßt diese Initiative als wichtige Voraussetzung für die endgültige Annahme der von der PVC-Branche ausgesprochenen Freiwilligen Selbstverpflichtung.
 

4. Vorteile werden immer noch missachtet
Wie aus dem österreichischen Wirtschaftsministerium zu hören ist, könnten durch die Verwendung von PVC-Rohren anstelle der jetzt genutzten anderen Rohrmaterialien jährlich 800 Millionen Euro eingespart werden. Die in Österreich ansässigen PVC-Verarbeiter sind durch die nach wie vor laufende öffentliche PVC-Diskussion so verunsichert, dass in 2001 insgesamt 6800 geplante Arbeitsplätze nicht eingerichtet wurden.

5. Leserzuschrift
Im Informationsbrief Nr. 3/2002 hatten wir berichtet über „PVC-Handschuhe beugen Handekzem vor“. Ein betroffener Leser schreibt uns zur Ergänzung: „Chronisch Kranke wissen, dass die Folgen einer Latexallergie katastrophal sein können. Menschen, die häufig mit Latex in Kontakt kommen – insbesondere Kinder – neigen zu dieser Allergieform. Sie wird häufig ausgelöst durch Untersuchungshandschuhe von Ärzten.
Typisches Problem: Ein Betroffener hat einen Unfall, infolge dessen es zu einer labilen Kreislaufsituation kommt. Die Sanitäter/Ärzte untersuchen den Patienten mit Latexhandschuhen. Der allergische Schock destabilisiert den Kreislauf zusätzlich, es kann zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen.“
Also: Chronisch Kranke sollten PVC-Handschuhe benutzen!

6. Dachbahnen aus PVC sichern Gebäude
Der Industrieverband Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahnen DuD (Darmstadt) hat für seine Mitglieder die Jahresbilanz 2001 vorgelegt. Diese zeigt, dass sich Kunststoffbahnen im vergangenen Jahr erfolgreich im Markt behauptet haben. Mit 25,6 Mio. m2 bliebt der Absatz nur knapp unter dem Vorjahresergebnis. Wichtigster Werkstoff in diesem Marktsegment bleibt PVC mit zirka 70 % Anteil. Der DuD rechnet weiter mit stabilen Absatzzahlen vor allem aufgrund der Sanierung von Gebäuden.

7. PVC-Fenster im Ausland positiv bewertet
China hat soeben festgelegt, dass ab 2005 mindestens 30 % aller neuen Fenstereinheiten aus PVC gefertigt werden müssen. Grund hierfür ist der Mangel an Holz.
Die englische Stadt Manchester wird für ihre öffentlichen Bauten PVC-Fenster einsetzen. Diese Entscheidung fiel nach Vorlage eines Ökovergleiches des Instituts ENTEC. Dort hieß es, dass zwischen Holz- und PVC-Fenstern nur geringe Unterschiede in den Umweltauswirkungen bestehen, dass aber PVC-Fenster um 22 % billiger seien.

8. Ist Wirtschaftswachstum ökologisch schädlich?
Für die meisten Menschen dieser Erde, d. h. für die rund 5 Milliarden Menschen, die nicht in den reichen Industrieländern des Nordens leben, ist Wirtschaftswachstum die einzige Hoffnung, einer Umweltkatastrophe zu entkommen. In den Ländern der Dritten Welt sterben pro Jahr rund 5 Millionen Kinder durch verseuchtes Trinkwasser; insgesamt leiden mehr als eine Milliarde Erdenbürger derzeit an umweltbedingten Krankheiten. Gegen dieses durch Armut und wirtschaftliche Unterentwicklung erzeugte Massenleiden und Massensterben wirkt unser Wohlstandsgejammer über global warming und Ozonloch einfach lächerlich.
Natürlich ist Wirtschaftswachstum für die Umwelt auch kein reiner Segen. Aber um mit dieser Umwelt verantwortungsbewußter umzugehen, ist nach der Erfahrung der letzten hundert Jahre ein gewisser wirtschaftlicher Wohlstand nötig, den die meisten Menschen dieser Erde noch nicht haben. Insbesondere ist Wohlstand die beste Bremse der Bevölkerungsvermehrung, denn vor allem die Bevölkerungsvermehrung und nicht das Wirtschaftswachstum ist es, was die Umwelt so belastet.
(Aus: Krämer, Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer).
 

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Hergesteld: 17. Augustus 2002.
Lätzte Änderung: 27. Oktober 2002.

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