Informationsbrief Nr. 2/2003

Herausgeber: Verantwortungsbewußte Chlorchemie e.V.

Verantwortlich: Dr. H. Dillenburg, Dipl.-Ing. M. Huter

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Rheinberg, den 26. März 2003


1. Besuchsfahrt
Die zweite Informationsfahrt im Jahre 2003 führt uns zum Chemiestandort Marl. Wir erhalten dort einen Einblick in die PVC-Produktion von Vestolit und werden die Weichmacherherstellung von Oxeno besichtigen. Weichmacher ist mengenmäßig der wichtigste Zuschlagstoff bei der Herstellung von flexiblen PVC-Produkten, egal ob es sich um Bodenbeläge handelt, Autokunstleder oder Blutbeutel. Weiterhin wird uns die Rapsölanlage gezeigt.
Termin:

Donnerstag, 22. Mai 2003.

Anmeldung nur schriftlich mit beiliegendem Vordruck. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt auf 20 Personen.

2. „Plötzlicher Kindstod“ – Ursache scheint geklärt
Immer wieder wurde in Fachzeitschriften und in Tageszeitungen über den so genannten „Plötzlichen Kindstod“ berichtet. Die Angst bei vielen jungen Eltern ging um, dass ihr Baby plötzlich ohne erkennbare Erkrankung tot im Bettchen liegen könne. Die Ursachenforschung tat sich schwer. Es gab zu wenig „Fälle“, auch wenn jeder „Fall“ für die betroffenen Eltern einer zu viel war.
Wie in den letzten Jahren bei solchen ungeklärten Ereignissen häufig, wurde dieses Phänomen von bestimmten Leuten dem PVC zugeschoben (vgl. die Behauptung, dass PVC m Seehundsterben schuld sei, was nicht der Fall ist, VbCc-Infobrief Nr. 6/2001). PVC-Folien werden manchmal als Matratzenschoner verwendet.
Speziell in Großbritannien wurde vielen möglichen Ursachen nachgegangen. Wie die Wissenschaftszeitung „New Scientest“ berichtet, ist der „Plötzliche Kindstod“ mit großer Sicherheit auf Bakterien zurückzuführen, die sich in Matratzen einnisten. Der „Hauptbewohner“ ist der Typ Staphylokokkus aureus, der sich besonders dort vermehrt, wo erbrochene Milch von der Matratze aufgesaugt wurde. Es ist demnach anzuraten, die Matratzen sauber zu halten, z. B. dadurch, dass man PVC-Folien zwischen Matratze und Betttuch legt und sowohl die PVC-Folie als auch das Betttuch stets hygienisch reinigt.
Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Textilien aus der PVC-Faser „Rhovyl’A.S.+®“. Diese Faser enthält im Kern ein milben- und bakterientötendes peruanisches Naturheilmittel (siehe Internet: www.rhovyl.com).

3. Textiles Bauen in Österreich
Mehrfach berichteten wir über das Hin und Her bei der Dachkonstruktion des Millennium Domes in London, zuletzt im Infobrief Nr. 2/2001. Obwohl PVC-beschichtetes Polyestergewebe vom Kosten-Nutzeneffekt die besten Erfahrungen gebracht hätte, wurde aus so genannten „Umweltschutzgründen“ eine PTFE-Glasfaser-Konstruktion gewählt. Ergebnis: 30 % höhere Kosten und Risse schon nach kurzer Lebensdauer.
Dieselbe Fehlentscheidung wie in London steht bevor in Wien. Hier wurde zusätzlich noch das Argument „Brandunsicherheit“ gegen PVC vorgebracht.

Ein potentieller Lieferant der PVC-Planen hat beim SP Swedish National Testing Institute beide Materialen vergleichen lassen. Die Brandversuche wurden nicht nur im kleinen Labormaßstab, sondern an einem großen Modellzelt 12 x 8,5 x 4,3 m durchgeführt. Das Ergebnis spricht eindeutig für PVC:

4. Vertrauen in Greenpeace?
Ein amerikanischer Unternehmensberater (www.edelman.com) hat in 2002 eine Umfrage in Europa und den USA durchgeführt, um das Vertrauen in NGO’s (Nichtregierungsorganisationen wie z. B. Greenpeace) zu ergründen. Die Ergebnisse: Die Hälfte der befragten Europäer berücksichtigt durch NGO’s ausgerufene Kaufboykotte. Aber nur ein Drittel der US-Amerikaner befolgt solche Aufrufe

5. Ausloben von „grünen Produkten“: Wer testet die Tester?
Die angesehene New Yorker Zeitung „The Wall Street Journal“ berichtete über eine Käuferbefragung, dass heute inzwischen 41 % der Verbraucher sagen, sie wollten keine „grünen Produkte“ mehr kaufen. Als Grund wurde angegeben, dass man fürchte, die Produkte funktionierten nicht gut. Der Verbraucher wolle eher mehr Geld ausgeben für Nutzerfreundlichkeit als für „grüne Ideologie“. Der Trend „gegen grün“ wird bereits seit 1995 beobachtet. Dass die Verbraucher auch in Deutschland so denken dürften, ist nahe liegend. Wer die verschiedenen Testpublikationen verfolgt, allen voran „test“ von der quasistaatlichen Stiftung Warentest oder von der Zeitschrift „Ökotest“, der weiß von der häufig mangelnden Sorgfalt der Tester. Dies gilt für Produkte (wie bedruckte T-Shirts), für Verpackungen (aus Kunststoffen, speziell aus PVC) oder Dienstleistungen (wie den Vergleich von Riester-Renten).
Zu bedauern ist, dass manche Produktions- oder Handelsunternehmen die auf Ideologie und nicht auf Fakten beruhenden Anti-PVC-Aussagen der Tester zum Anlass nehmen und so genannte „PVC-freie“ Produkte bevorzugen. Beispiele: Asics, Puma, Adidas, H & M, Otto, Sport-Scheck.
Jedes moderne Unternehmen unterwirft sich heutzutage einer Qualitätsbewertung seiner Tätigkeit durch externe Prüfinstitute (ISO 9000 …). Wann lassen sich die Tester nach diesen Normen testen, um endlich Falschaussagen zu vermeiden?

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Hergesteld: 1 Juni 2003.
Letzte änderung: 1. Juli 2003.

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